Prolog
Was diese Seite ist — und warum
„AKTE GLADBACH" richtet sich an Lover und Hater der Fohlenelf. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.
Die Sehnsucht nach einem Titel. Wenn „die Ahnen" belasten. Fünf Meisterschaften, zwei UEFA-Cups — aber alles vor 1980. Seitdem kämpft die Fohlenelf gegen die eigene Vergangenheit. Netzer, Heynckes, Bonhof — die Legenden des Bökelbergs werfen lange Schatten. Gladbach ist der Verein, der beweist, dass vergangene Größe sowohl Segen als auch Fluch sein kann.
Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Gladbach ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.
Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.
Akte Gladbach ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.
Steckbrief
Daten, Fakten und Ereignisse
Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse
Der vollständige Name von Borussia Mönchengladbach (BMG) ist Borussia Verein für Leibesübungen 1900 e.V. Die Gründung als Verein erfolgt am 1. August 1900 (unter dem Namen FK Borussia 1900).
Die Borussia spielt im Stadion im Borussia-Park (54.067 Plätze). Der Verein hat die Klubfarben Schwarz, Weiß und Grün und mehr als 85.000 Mitglieder. Er ist der sechstgrößte Verein in Deutschland (Stand: Dezember 2019) und hat mehr als 1.000 Fanklubs in Deutschland.
Die Profifußballabteilung des Vereins wird von der Kapitalgesellschaft Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH betrieben, die sich zu 100 % im Besitz des Vereins befindet.

Good to Know
Was wenige wissen
Die erste Fußball-Mannschaft von Borussia Mönchengladbach steigt 1965 in die Bundesliga auf und hat bis Dezember 2019 fünf nationale Meistertitel, drei DFB-Pokalsiege und zwei UEFA-Pokalsiege errungen.In der Ewigen Tabelle der Bundesliga belegt der Verein den sechsten Platz (Stand: Dezember 2019). Die offensive Spielweise, mit der die Mannschaft in den späten 1960-er und 1970-er Jahren die Bundesliga mit vorwiegend jungen Spielern dominiert, bringt ihr den Spitznamen „Fohlenelf“ oder „die Fohlen“ ein.
Das ist bekannt, weniger bekannt ist, dass die Gründung von Borussia Mönchengladbach chaotisch verläuft. Eine Gruppe von jungen Fußballern ist kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem örtlichen Sportverein mehr als unzufrieden, tritt aus diesem aus und gründet eine eigene Spielvereinigung mit Namen FK Borussia 1900. Um auf einem ordentlichen Fußballplatz spielen zu können, schließt sich die Spielvereinigung im ersten Jahr der Gründung einer kirchlichen Organisation an. Nach ersten lokalen und regionalen Fußballerfolgen wollen sich die Verantwortlichen offiziell als Verein registrieren, um für den Ligabetrieb zugelassen zu werden. Die Folge: Die Trennung von der Kirche. Im August 1900 wird der Verein erstmals im Vereinsregister erfasst, unter dem Namen „Borussia 1900 M.gladbach“.
Die Borussia gehört nicht zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga und ist vor 1965 eine regionale Größe im deutschen Fußball – mehr nicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielt der Verein zunächst zwei Spielzeiten in der Landesliga, danach schwankt man ab der Saison 1949/50 zwischen der 2. Liga West und der damals höchsten Liga Oberliga West. Was wenige wissen. Den ersten Titel erringt der Verein bereits im Jahr 1920. Er wird Westdeutscher Meister. Allerdings nicht unter dem heutigen Namen, sondern als VfTuR München-Gladbach.
Unter dem neuen Trainer Hennes Weisweiler schafft Borussia Mönchengladbach in der Saison 1964/65 den Aufstieg in die Bundesliga – zeitgleich mit dem FC Bayern München. Damals etabliert sich auch der neue Spitzname – die Fohlen. Was wenige wissen: Dieser hat eine doppelte Bedeutung. Er weist auf die „jungen Fohlen“ hin, denn Weisweiler lässt zeitweise mit einem Durchschnittsalter von 21,5 Jahren die bei weitem jüngste Mannschaft der Liga auflaufen, ein Team, welches man in der Mehrzahl aus der Region oder sogar der eigenen Nachwuchsförderung rekrutiert hat. Und er ist ein Synonym für die offensive, angriffslustige und schnelle Spielweise der Gladbacher mit Pressingelementen, langen Pässen und Umschaltspiel – damals einfach „Gladbacher Konterfußball“ genannt.
Was auch gerne vergessen wird. Gladbach wird in der Saison 1970/71 Deutscher Meister, obwohl man zwei Punkte am „grünen Tisch“ verliert. Und weder das Team, noch der Trainer oder die Fans sind schuld, sondern die örtliche Verwaltung. Denn im Heimspiel gegen Werder Bremen stürzt Herbert Laumen beim Stand von 1:1 bei einem Luftkampf mit dem Bremer Torwart Günter Bernard ins Tornetz, der Pfosten des Tores bricht. Wegen „schuldhaften Herbeiführens eines Spielabbruchs", so das DFB-Gericht, wird das Spiel mit 2:0 für Bremen gewertet. Die Gladbacher Mannschaft ist fassungslos und schreibt einen öffentlichen Brief mit der berechtigten Frage: „Sind wir eigentlich Lizenzspieler oder Bauarbeiter? Wo steht denn geschrieben, dass wir Spieler verpflichtet sind, den Platzaufbau vorzunehmen, für den städtische Angestellte verantwortlich sind? Was haben wir Spieler denn für eine Schuld daran, wenn irgendwo im städtischen Sportgelände ein Stück Holz kaputtgeht und nicht mehr zu reparieren ist?"Apropos: Der „Verursacher“ des Pfostenbruchs, Herbert Laumen, wechselt nach der Saison nach Bremen, „Pfostenbruch“ wird sein zweiter Vorname.

Dennoch können die Gladbacher in der Saison den Meisertitel erringen - und nicht nur das: Sie sind der erste Verein in der Bundesliga, der seinen Meistertitel verteidigen kann. Auf spektakuläre Art und mit Hilfe eines besonderen Motivationstricks, an den sich heute wenige erinnern: Nach dem ersten Meistertitel in der Saison 1969/70 fängt BMG am letzten Spieltag der Saison 1970/71 den FC Bayern München noch ab. Die Münchener verlieren mit 0:2 in Duisburg, während M’gladbach in Frankfurt mit 4:1 gewinnt. Am Ende haben die Gladbacher 50:18 Punkte, die Bayern nur 48:20. Vor dem letzten Spiel sind beide Teams punktgleich und der FC Bayern hat die um ein Tor bessere Tordifferenz. Beim Spiel des FC Bayern in Duisburg greifen die Gladbacher zu einem besonderen Hilfsmittel. Als sich die Münchener in Duisburg warmlaufen, schallt es aus den Lautsprechern: „Meine Damen und Herren, liebe Sportplatzbesucher, wir bitten um Beifall und Anfeuerung für den MSV Duisburg, der bei einem Sieg für jeden Spieler eine Sonderprämie in Höhe von 2.000 Mark aus Mönchengladbach erhält." Fassungslosigkeit beim FC Bayern, Begeisterung auf den Rängen und mehr als motivierte „Zebras“ auf dem Platz. Besonders bei MSV-Stürmer Rainer Budde, der in der zweiten Halbzeit zweimal trifft. Die Bayern greifen zu fiesen Tricks: Als das 2:0 für den MSV fällt, verlässt Sepp Maier den Rasen. Duisburg- und Gladbach-Fans haben das Feld gestürmt und – so behauptet Maier – hätten den Bayern-Torhüter verletzt. Maier: „Man hat mich umgerannt und geschlagen!" MSV-Betreuer Jasbert bewertet den Sachverhalt anders: „Beckenbauer winkte ihm (Maier) etwas zu, und er ließ sich fallen“. Nicht immer gelingt die Roberto Boninsegna Strategie, es gibt auch keine „Büchse“.Peinlich: Der DFB rechnet mit Bayern München als Meister und hat die Originalschale nach Duisburg gebracht, sie wird den Borussen noch am selben Tag am Frankfurter Flughafen überreicht.
Udo Lattek ist der Nachfolger von Hennes Weisweiler als Trainer bei BMG. Das ist bekannt. Weitgehend unbekannt ist, dass sich Lattek bei dem Wechsel zu den Borussen ziemlich unkorrekt verhält. Nicht gegenüber dem FC Bayern und auch nicht gegenüber BMG, sondern gegenüber Rot Weiß Essen. Nach seinem „Aus“ beim FC Bayern München sucht Udo Lattek, damals 40, eine neue sportliche Herausforderung. Die scheint er bei Rot-Weiß Essen zu finden. Zumindest unterschreibt er für die Saison 1975/76 einen Vertrag, geht dann aber nach Hennes Weisweilers überraschendem Abschied im Mai zu Borussia Mönchengladbach, dem amtierenden Meister und Bayern-Rivalen der letzten Jahre: „Was würden Sie denn machen, wenn Sie die Wahl zwischen einem Fahrrad (Essen) und einem Mercedes (M’gladbach) hätten?“ In Mönchengladbach übernimmt Lattek eine intakte Mannschaft mit Spielern wie Uli Stielike, Jupp Heynckes, Herbert Wimmer, Allan Simonsen, Rainer Bonhof und Berti Vogts und legt den „Fohlen“ Zügel an. Anstelle des „Hurra-Stils“ seines Vorgängers legt er den Schwerpunkt stärker auf den Defensivbereich und gewinnt mit einer stabilen Abwehr die beiden nächsten Meisterschaften 1976 und 1977. Ein weiterer Titel-Hattrick in den 1970-er Jahren ist die Folge. Der FC Bayern gewinnt den Titel 1972, 1973 und 1974, die Gladbacher 1975, 1976 und 1977. 1977 steht er mit Gladbach auch im Finale des Europapokals der Landesmeister, im gleichen Jahr steigt Rot-Weiß Essen aus der Bundesliga ab und ist seitdem nicht wieder zurückgekommen.
Für die Hater
Peinliche Katastrophen und große Niederlagen
Die Phase von 2004 bis 2010: Die Zeit von 2004 bis 2010 ist eine Phase peinlicher Managementfehler der Clubführung. Der Verein lässt jedwedes Konzept bei der Auswahl des Kaders, des sportlich verantwortlichen Managers und des Trainers vermissen und wird zum neuen KaDeWe (Kaufhaus des Westens). Es droht in der Saison 2010/11 der dritte Abstieg. Bis Trainer Lucien Favre im Frühjahr 2011 zur Borussia kommt, den Verein mit einem sensationellen Endspurt in die Relegation gegen den VfL Bochum führt und die Erstklassigkeit rettet. In der folgenden Saison gelingt die Qualifikation für die Ausscheidungsspiele zur Teilnahme an der Champions-League.
0:11 gegen die Glasgow Rangers: Im Europapokal der Pokalsieger gibt es für die Gladbacher im Jahr 1960 in ihrem ersten internationalen Pflichtspiel überhaupt eine herbe Klatsche. Das Team verliert zu Hause gegen die Glasgow Rangers mit 3:0, in Glasgow setzt es dann eine 8:0- Niederlage.
Versagt in Madrid: In der Saison 1985/86 treffen Borussia Mönchengladbach und Real Madrid im Achtelfinale des UEFA Cup aufeinander. Die Borussen machen im Hinspiel kurzen Prozess und gewinnen mit 5:1. Dennoch scheiden sie aus. Im Rückspiel trifft Santillana in der 89. Minute für Real Madrid zum 4:0, wegen der Auswärtstorregel scheiden sie aus, es ist einer der hasenfüßigsten Auftritte von Borussia im Europapokal und wohl das Ende der Hoffnungen von Trainer Jupp Heynckes, mit dem Team jemals einen Titel holen zu können.
DFB-Pokalfinale 1992: Nach einem gewonnenen Elfmeterkrimi im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen trifft BMG im DFB-Pokalendspiel im Jahr 1992 auf den damaligen Zweitligisten Hannover 96. Man verliert nach einem 0:0 nach Verlängerung im Elfmeterschießen. Eine Mega-Blamage zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
Die Saison 1998/99: Zweimal steigt Gladbach aus der Bundesliga ab, jeweils als Letzter der Tabelle. In der Saison 1998/99 siegt die Borussia am ersten Spieltag mit 3:0 gegen den FC Schalke 04 und steht für 13 Jahre letztmals für eine Woche an der Tabellenspitze. In der Folge verliert das Team sechs Begegnungen und holt zwei Remis. Am neunten Spieltag ist BMG bereits Letzter, am zehnten und elften Spieltag folgen mit einem 2:8 gegen Bayer 04 Leverkusen (das Spiel am 30. Oktober 1998 geht als Spiel mit den meisten Gegentoren am Bökelberg in die Borussen-Geschichte ein) und einem 1:7 beim VfL Wolfsburg zwei hohe Niederlagen in Folge, die Trainer Friedel Rausch den Job kosten. Die Mannschaft bleibt bis zum Saisonende auf Tabellenplatz 18. 21 Spiele gehen in der Saison verloren. Leistungsträger wie Torwart Robert Enke, Verteidiger Patrik Andersson sowie die Mittelfeldspieler Karlheinz Pflipsen und Sebastian Deisler verlassen den Verein.

Auch Heynckes kann es nicht richten: In der Spielzeit 2006/07 scheidet die Borussia im DFB-Pokal beim Regionalligisten VfL Osnabrück bereits in der zweiten Runde aus. In der Liga setzt sich die Misere fort. Nach einer enttäuschenden Hinrunde findet sich die Mannschaft mit nur 15 Punkten auf einem Abstiegsplatz wieder. Trainer Jupp Heynckes, mit hohen Erwartungen zum Saisonbeginn ein zweites Mal verpflichtet, tritt am 31. Januar 2007 wegen des sportlichen Misserfolges und wegen erhaltener Morddrohungen zurück. Nachfolger wird der bisherige Co-Trainer Jos Luhukay. Dieser schafft ganze zwei Siege und vier Unentschieden aus den letzten 15 Spielen.
Die höchsten Niederlagen: Die höchsten Niederlagen gibt es für BMG zweimal mit 0:7. Sowohl auswärts (18. 9. 2010 in Stuttgart) als auch zuhause (30. 4. 1966 gegen Bremen) gibt es dieses Resultat.
Für die Lover
Wichtige Triumphe und große Erfolge
Die größten Erfolge von Borussia Mönchengladbach sind: Gladbach wird 1969/70 und 1970/71 Deutscher Meister und schafft die erste Bundesliga-Titelverteidigung überhaupt. Das Team erringt drei deutsche Meisterschaften hintereinander - 1974/75, 1975/76 und 1976/77. Gladbach wird zwei-mal UEFA Cup-Sieger - 1975 und 1979. Der Verein ist dreimal Gewinner des DFB-Pokals: 1960, 1973 und 1995.
UEFA Pokal 1973, 1980 und im Cup der Landesmeister 1977: Dreimal reicht es nicht ganz, doch die internationalen Endspielteilnahmen im UEFA Pokal 1973, 1980 und im Cup der Landesmeister 1977 gehören auch zu den großen Erfolgen der Gladbacher. 1977 verliert man das Endspiel im Europacup der Landesmeister in Rom mit 3:1 gegen den FC Liverpool.
Glück im Rheinstadion von Düsseldorf: Der letzte internationale Titel kommt ziemlich glücklich zustande. Am 23. Mai 1979 gewinnt Borussia in Düsseldorf gegen Roter Stern Belgrad das Finale des UEFA-Pokals. Mit 1:0 (Hinspiel 1:1) behauptet sich das Team von Trainer Udo Lattek. Ein glücklicher Elfmeter, verwandelt durch Allan Simonsen, ermöglicht das einzige Tor des Abends im Rheinstadion.
DFB-Pokalsieger 1973: Im Jahr 1973 schlägt Borussia Mönchengladbach den 1. FC Köln mit 2:1 nach Verlängerung im wohl besten Endspiel der DFB-Pokalgeschichte. Den entscheidenden Treffer erzielt Günter Netzer nach Selbsteinwechselung in seinem letzten Spiel für Gladbach drei Minuten nach Beginn der Verlängerung.
DFB-Pokalsieger 1960: Den ersten nationalen und überraschendsten Titel gewinnt nicht Borussia Mönchengladbach, sondern ein Team mit anderem Namen: DFB-Pokalsieger 1960 wird Borussia noch unter dem alten Namen der Stadt - München-Gladbach. Am 5. Oktober 1960 gewinnt die Borussia mit 3:2 gegen den Karlsruher SC im Düsseldorfer Rheinstadion ihren ersten nationalen Titel – und zwar an einem Mittwochabend. Im Team von Trainer Bernd Oles stehen zwar nicht die „Fohlen“ der späteren Gladbacher Jahre, aber mit Friedhelm Frontzeck, Vater von Gladbach-Urgestein Michael Frontzeck, Albert Brülls und Franz Brungs drei Spieler, die in der Gesamtbetrachtung der Gladbacher oft zu kurz kommen. Im Halbfinale hat die Borussia den damals übermächtigen Hamburger SV mit 2:0 geschlagen. Das entscheidende Tor zum 3:2 im Finale schießt Nationalspieler Albert Brülls.

DFB-Pokalsieger 1995: Den bis Dezember 2019 letzten nationalen Titel holen die Gladbacher im Jahr 1995. Das Team von Bernd Krauss mit den Stars Effenberg, Pflipsen, Andersson und Dahlin gewinnt mit 3:0 im Finale des DFB-Pokals gegen den damaligen Zweitligisten VfL Wolfsburg. 1:0 Dahlin (14.), 2:0 Effenberg (61.) und 3:0 Herrlich (86.) heißt es in einem ziemlich einseitigen Finale. Im Halbfinale haben die Gladbacher den 1. FC Kaiserslautern mit 1:0 nach Verlängerung ausgeschaltet, im Viertelfinale gibt es ein knappes 3:2 gegen Schalke 04. Nur in den ersten beiden Runden müssen die Gladbacher auswärts antreten – in Greifswald und in Offenbach.
Most Important Persons
Diese Typen prägen den Verein
Der Spielmacher:Es gibt nicht viele Spieler, die sich trauen die Autorität ihres Trainers zu untergraben. Die Wenigsten würden es wagen, sich selbst einzuwechseln. Günter Netzer schon. Unter den Augen des Disziplinfanatikers Hennes Weisweiler wagt „Jünter“ den Aufstand. Am 23. Juni 1973, im DFB-Poka…
Hubert "Berti” Vogts – Der Rekordspieler:Mit „Das wird einer”, stellt der damalige Trainer Hennes Weisweiler Berti Vogts 1967 der deutschen Nationalmannschaft vor. Zu diesem Zeitpunkt läuft der Abwehrspieler bereits zwei Jahre lang für die Borussen auf, gilt als fleißig und diszipliniert, aber – so …
Der „Don“:Nicht ohne Grund lautet die Postanschrift des VfL Borussia Mönchengladbach heute „Hennes-Weisweiler-Allee 1". Mit ihm verbinden die Borussen den Aufstieg vom Provinzverein zum international anerkannten Klub mit dem unaussprechlichen Namen. Außerdem bleibt bis heute kein Trainer nach ihm lä…
„Der Stürmerstar“:Allan Simonsen wird im Jahr 1977 zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Simonsen spielt von 1972 – 1979 für Borussia Mönchengladbach. Hennes Weisweiler sieht den 165 Zentimeter kleinen Stürmer bei den Olympischen Spielen 1972 in München und sorgt für seine Verpflichtung. Die Ablö…
„Der Kommunist“:„Ich war hier nur zwölfte Wahl“, sagt Meyer im September 1999 bei seiner Vorstellung als neuer Cheftrainer in Gladbach. Trockene Sprüche und viel Selbstironie sind sein Markenzeichen, Meyers Kommentare gehören zu den meist zitierten und unterhaltsamsten der Liga. Nicht umsonst ist er…
Torwartlegende:Kamps kommt aus Düsseldorf im Jahr 1982 nach Gladbach und bleibt allein als Spieler für 22 Jahre. Er kommt auf 390 Bundesligaeinsätze, nur Berti Vogts hat mehr Spiele für Borussia absolviert. Danach bildet die Torwart-Legende die Nachfolger im Verein aus. Kamps ist dafür berühmt, sein…

Personae Non Gratae
Diese Typen sind unbeliebt
Das Peter-Prinzip:Im April 2005 verpflichtet Borussia Mönchengladbach Peter Pander als Nachfolger des zurückgetretenen Sportchefs Christian Hochstätter. Pander sorgt für den bis dahin teuersten Transfer in der Mönchengladbacher Vereinsgeschichte, als er den argentinischen Fußball-Flop Federico Insúa…
Der Erfolglose, der auf seine Abfindung verzichtet:Zwischen November 2004 und April 2005 ist der Niederländer für die Geschicke in Gladbach verantwortlich. Als Nachfolger von Holger Fach soll Advocaat Ruhe in die Mannschaft bringen, doch das Gegenteil ist der Fall: Zwar holt das Kaufhaus des Westens…
Das „Cola-Dosen-Opfer":Roberto Boninsegna sabotiert vor 48 Jahren auf höchst dramatische Art und Weise Borussias bestes Europacup-Spiel aller Zeiten. Es ist die 29. Minute im Spiel gegen Inter Mailand, Gladbach liegt mit 2:1 in Führung. Ein Büchsenwurf aus der Gladbacher Fanecke trifft den italienis…
Skandal in Madrid:„Der Schiedsrichter hat uns den Sieg geraubt“, fasst Jupp Heynckes die Ereignisse des skandalösen Abends zusammen. Im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister 1976 kommt es zum Duell mit Real Madrid, das aufgrund des aktiven Eingreifens des niederländischen Schiedsrichters …
Wanderer zwischen den Borussen-Welten:Sein Wechsel im Sommer 1995 zur westfälischen Borussia macht den Bundesliga-Torschützenkönig zum Staatsfeind Nummer 1 am Bökelberg. Kurz vor dem Wechsel hat er Gladbach noch so etwas wie „ewige Treue“ geschworen, danach aber erzwingt er unter Streikandrohung sei…
Der „Judas“:Keinem anderen Spieler nehmen sie in Gladbach den Wechsel zum FC Bayern München so übel wie Lothar Matthäus. Dass er in seinem letzten Spiel für die Mönchengladbacher im verlorenen Pokalfinale am 31. Mai 1984 ausgerechnet gegen die Bayern einen Elfmeter verschießt, verleiht dem Ganzen ei…

Tragisch
Diese Personen hatten Pech
Robert Enke – Schienensuizid:1999 verlässt Robert Enke Borussia Mönchengladbach und wechselt zu Benfica Lissabon. Von dort geht es zum FC Barcelona, Besiktas Istanbul und schließlich zu Hannover 96. Im November 2009 begeht Robert Enke Selbstmord. Schienensuizid – so heißt es im Amtsdeutsch.
Henning Jensen – Tod mit 68 Jahren:Als Spieler gewinnt Henning Jensen fast alles. Zweimal mit Borussia Mönchengladbach, 1975 und 1976, gewinnt er die deutsche Meisterschaft, zweimal 1978 und 1979 mit Real Madrid die spanische Meisterschaft und 1980 mit Ajax Amsterdam die Meisterschaft in den Niederlanden. Mit den Gladbachern gewinnt er zusätzlich 1973 den DFB-Pokal und 1975 den UEFA-Cup. Henning Jensen stirbt am 4. Dezember 2017 im Alter von 68 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung.
Steve Gohouri – Tod mit 34 Jahren:Steve Gohouri stirbt mit 34 Jahren. Der Ex-Gladbacher ist seit mehr als 3 Wochen vermisst, als seine Leiche nach Angaben der Düsseldorfer Polizei am 31.12.2005 am Rheinufer bei Krefeld angespült wird. Die Autopsie ergibt, dass es bei Gohouris Tod keine Anzeichen von Gewalteinwirkung gibt. Laut „Express“ hat der frühere Bundesligaspieler zu Drogen gegriffen und ist in den Rhein gestürzt. Gohouri spielt von 2007 – 2009 in der Abwehr von BMG und erzielt in 47 Spielen zwei Tore. Gohouris letzter Vereinstrainer Thomas Brdaric (früher Stürmer unter anderem bei Bayer Leverkusen und Hannover 96), der den Abwehrspieler beim Südwest-Regionalligist TSV Steinbach trainiert hat, äußert bereits Mitte Dezember gegenüber BILD offen die Sorge vor einem Selbstmord. Brdaric: „Ich habe Angst, dass er irgendeine Kurzschlussreaktion vorgenommen und sich was angetan hat. Er hatte Liebes-Stress!“ Dazu gibt es Gerüchte über hohe Schulden und Kontakte ins Drogenmilieu. Auch ein ehemaliger Teamkamerad bei Borussia bestätigt: „Steve ist leider an falsche Freunde geraten.“
Marcelo Pletsch – Die brasilianische Abwehrkante:Marcelo Pletsch spielt von 1999 – 2005 für Borussia Mönchengladbach. Gegen Ende der Saison 2004/05 wird er wegen vereinsschädigender Äußerungen suspendiert. Aufsehen erregt Pletsch mit einem Foul am 34. Spieltag der Saison 2002/03, als er den Spieler Markus Daun von Werder Bremen umgrätscht. Daun kann als Folge des Fouls mehr als sechs Monate lang nicht mehr Fußball spielen und findet nie wieder zu alter Form zurück. Nach seiner Fußballer-Karriere kehrt Pletsch nach Brasilien zurück und betreibt eine Schweinefarm und eine Spedition. Im November 2015 gerät der Ex-Profi in eine Polizeikontrolle im brasilianischen Bundesstaat Parana. In seinem LKW werden mehr als 793 Kilogramm Marihuana gefunden. Ein Gericht verurteilt ihn zu neun Jahren und zwei Monaten Haft. Davon sind, so das Urteil, mindestens dreieinhalb Jahre in einer Sechs-Mann-Zelle zu verbringen. Ein weiteres Gericht in Curitiba bestätigt das Urteil in zweiter Instanz. Pletsch beteuert weiterhin seine Unschuld. Das Gefängnis in Cascavel, in dem der ehemalige Gladbach-Profi einsitzt, ist berüchtigt.
Shmuel Rosenthal – Der erste Israeli:Shmuel Rosenthal ist der erste israelische Profi, der in der Bundesliga spielt. 1968 spielt er mit Israel bei den Olympischen Spielen in Mexiko, 1970 bei der Weltmeisterschaft - ebenfalls in Mexiko. Von 1972 bis 1973 spielt er 13 Spiele bei Borussia Mönchengladbach (zumeist als Libero) und schießt ein Tor. ,,Es war die beste Zeit meines Lebens", sagt er später über die Zeit am Niederrhein, ,,ich habe die Türen für alle israelischen Fußballer geöffnet. Damals erlaubte es der israelische Verband nicht, ins Ausland zu wechseln. Man galt als Verräter und wurde ein Jahr gesperrt“, sagt Rosenthal. Zwischen 1965 und 1973 spielt Rosenthal auch 43 Mal für die Israelische Fußballnationalmannschaft und erzielt für diese zwei Tore. Rosenthal wird 1997 in Israel zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er Teil einer Kokainschmuggler-Bande ist.

Karl Del‘Haye - Bayern ruiniert seine Karriere:Vor der Saison 1980/81 wechselt Europameister Del‘Haye für die damalige Rekordablösesumme von 1,3 Millionen D-Mark zum FC Bayern München. Dort gerät seine Karriere in eine Sackgasse. Er sitzt unter Trainer Pál Csernai häufig auf der Ersatzbank oder gar auf der Tribüne, sodass er zum Paradebeispiel für den Vorwurf wird, der FC Bayern München würde Spieler von Konkurrenten abwerben, um diese zu schwächen, ohne jedoch die Spieler wirklich zu benötigen. Auch der 1983 vollzogene Trainerwechsel zu Udo Lattek verbessert Del‘Hayes sportliche Aussichten bei den Bayern nicht, aber erst 1985 zieht er die Konsequenzen und verlässt den Rekordmeister. Seiner Karriere hilft der Wechsel nicht mehr. So gut und persönlich erfolgreich wie zu seiner Gladbacher Zeit spielt Del‘Haye nie wieder.
Hans-Jörg Criens – Der König aller Joker:Hans-Jörg Criens stirbt im Alter von 59 Jahren an einem Herzinfarkt. Der dritterfolgreichste Bundesligatorschütze (92 Tore) in der Geschichte des Klubs verstirbt acht Tage nach seinem Geburtstag an Weihnachten 2019. Hans-Jörg Criens hat nie einen Titel gewonnen, aber entscheidende Tore geschossen. So gegen Werder Bremen im Halbfinale des DFB-Pokals im Jahr 1984, welches dem Verein die Endspielteilnahme gegen den FC Bayern sichert21.
21.https://de.wikipedia.org/wiki/DFB-Pokal-Halbfinale_1984↩
OMG — Oh My God
Das kann doch nicht wahr sein
Borussia Mönchengladbach wird zwei Mal bei internationalen Spielen betrogen.
Europapokal der Landesmeister 1971/72
In der Saison 1971/72 scheidet der Verein im Europacup der Landesmeister gegen Inter Mailand aus. In Mailand verliert das Team um Kapitän Günter Netzer mit 2:4, im Rückspiel in Berlin trennt man sich 0:0. Die Borussia verschießt einen Elfmeter. Das Spiel in Berlin ist bereits das dritte Spiel, denn das eigentliche Hinspiel in Mönchengladbach wird von der UEFA annulliert. Am 20.10.1971 schießt Borussia Mönchengladbach im Achtelfinal-Hinspiel Inter Mailand mit 7:1 aus dem Bökelbergstadion. Eine Cola-Dose und eine schauspielerische Glanzleistung von Roberto Boninsegna machen die wohl beste fußballerische Darbietung der Gladbacher Vereinsgeschichte zunichte. Was ist passiert?
Borussia Mönchengladbach führt nach knapp einem Drittel des Spiels vor 28.000 Zuschauern mit 2:1. In der 29. Spielminute kommt es im Vorfeld eines Einwurfs an der Seitenlinie zur Rangelei zwischen Gladbachs Ludwig „Luggi“ Müller und Inter-Star Roberto Boninsegna. Eine Getränkedose fliegt von den Zuschauerrängen in Richtung Boninsegna. Der Italiener sinkt zu Boden und wälzt sich minutenlang auf dem Rasen. Die Betreuer behandeln den Stürmer auf dem Platz, schlussendlich tragen sie ihn in die Gästekabine, wo sich der Torschützenkönig der Serie A versteckt. Unter Protest nimmt Inter die Partie wieder auf. Gladbach spielt sich fortan in einen Rausch. Fünf Treffer schenken Günter Netzer, Jupp Heynckes und Co. dem italienischen Meister noch ein. Nach der Partie legt Inter bei der UEFA Widerspruch gegen die Spielwertung ein. Die Disziplinarkommission entscheidet, das Spiel zu annullieren und auf neutralem Platz zu wiederholen. In das geht Inter mit einem 4:2-Vorsprung, den es im ausverkauften Berliner Olympiastadion über die Zeit rettet, auch weil Sieloff einen Elfmeter verschießt. Bis heute umstritten bleibt, ob Boninsegna wirklich von der Blechdose ausgeknockt worden ist. Dem „Opfer“ zufolge sei die Dose voll gewesen und habe ihn am Kopf getroffen. „Der Büchsenwurf war wie ein K.o.-Schlag für mich. Ich war für 15 bis 20 Sekunden bewusstlos“, sagt Boninsegna später dem „WDR“.
„Luggi“ Müller widerspricht. „Plötzlich kam eine Büchse geflogen und traf Boninsegna an der Schulter“, erinnert sich der Verteidiger. „Ich habe gegen die auf dem Rasen liegende Dose getreten, dabei gemerkt, dass sie leer war.“ Auf Zuruf der Mitspieler habe sich Boninsegna fallen lassen. Und als er wieder aufstehen will, haben Inter-Betreuer ihn wieder auf den Rasen gedrückt und schließlich vom Platz getragen. Schiedsrichter Jef Dorpmans gibt dem Gladbacher später Recht. „Ich habe immer geglaubt, dass Boninsegna die Verletzung nur gespielt hat“, verrät der Niederländer Jahrzehnte später gegenüber „FohlenTV“. „Mein Linienrichter hat gesehen, dass die Dose geöffnet war, und dass die Cola im Flug aus der Dose spritzte, sodass sie beim Aufprall halb leer war.“

Die Aufklärung des Falles erweist sich für die Mönchengladbacher Polizei als schwierig. Den Werfer kann die Polizei nicht ermitteln. Ein im Stadion Festgenommener entpuppt sich als unschuldig. Laut Polizeibericht und einigen Zeugenaussagen könnte sogar ein italienischer Fan als Täter in Frage kommen.
Apropos: Die Cola-Dose steht heute im Gladbacher Vereinsmuseum und Roberto Boninsegna hat später als Schauspieler in einem Terence-Hill-Film mitgewirkt. Und wirklich: Außer den Gladbacher Toren gibt es keine TV-Bilder vom Spiel, das die ARD wegen der zusätzlich zu entrichtenden Mehrwertsteuer von 6.000 DM nicht live überträgt.
Europacup der Landesmeister 1975/76
Im März 1976 scheidet die Borussia unter dubiosen Umständen bei Real Madrid aus. Der Schuldige: Leonardus van der Kroft und das gesamte holländische Schiedsrichtergespann.
Fun Facts
Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs
Borussia: Borussia ist der lateinische Begriff für Preußen, zu dem das niederrheinische Mönchengladbach (damals: München Gladbach oder m.Gladbach) bei Gründung des Vereins gehört.
Am 31.10.1969 fängt es an: Borussia wird am 31. Oktober 1969 zum ersten Mal Tabellenführer der Bundesliga. Am Reformationstag besiegen „die Fohlen“ Alemannia Aachen zu Hause mit 5:1 und übernehmen am 11. Spieltag der Saison 1969/70 die Tabellenspitze von Meister FC Bayern München, der zuhause Hertha BSC 1:2 unterliegt. Die Tore für Gladbach schießen Köppel, Laumen, LeFevre, Netzer und Wimmer.
Die Kultstätte: Die Gladbacher Kultstätte, das Bökelbergstadion, wird nach dem 2. Weltkrieg von den britischen „Besatzern“ wieder zum Fußballstadion umfunktioniert. Zuvor dient es kurzzeitig als Panzerwerkstatt und wird im Zweiten Weltkrieg großflächig zerstört. 1914 erwirbt Borussia Mönchengladbach das Gelände an der Bökelstraße. Zu dieser Zeit heißt der Platz noch „dä Kull“, da das Gelände vorher eine Kiesgrube war. Von Dezember 2005 an wird das Stadion abgerissen. Die Sprengung der Haupttribüne am 7. März 2006 scheitert dabei zunächst. Der Sprengmeister versucht, die beiden Füße der achteckigen Flutlichtmasten so zu sprengen, dass diese vier Meter absacken und das Dach mit sich ziehen sollen. Erst nachdem die Halteseile manuell durchtrennt werden, gibt die Tribüne nach. Inzwischen ist auf dem Gelände des Stadions eine Wohnsiedlung. Die Terrassen der Nordkurve, der Südkurve und der Haupttribüne sind erhalten, die Stadionstruktur ist zu erkennen. Eine Gedenkstätte erinnert seit dem 2. Dezember 2019 an den Bökelberg.
Ein „Bankräuber“ namens Helmut Grashoff: Im Juli 1962 verpflichtet Borussia Fritz Langner als neuen Trainer, der im Jahr 1959 mit Westfalia Herne die westdeutsche Meisterschaft errungen hat. Die neue Führung verkauft zunächst zum Leidwesen des neuen Trainers den Nationalspieler Albert Brülls für eine Rekordsumme von 250.000 DM an den FC Modena und saniert den Verein damit finanziell. Helmut Grashoff, der die Summe in italienischer Lira in bar in einem Koffer übernimmt, sagt später, er habe nach der Geldübergabe Angst gehabt, „für einen Bankräuber gehalten zu werden“. Den Erlös aus dem Transfer setzt Langner durch die Verpflichtung von Spielern wie Heinz Lowin, Heinz Crawatzo und Siegfried Burkhardt geschickt ein und baut das Team um. Im gleichen Jahr gewinnt die A-Jugend mit den späteren Profispielern Jupp Heynckes und Herbert Laumen die westdeutsche Meisterschaft. You ain’t seen nothing yet…
Der höchste Bundesligasieg: Der höchste Bundesligasieg gelingt den Gladbachern mit 12:0 am 34. Spieltag der Saison 1977/78. Es ist ein nutzloser Sieg. Denn Meister werden ob des immer noch besseren Torverhältnisses die von Hennes Weisweiler betreuten Kölner. Es ist einer von vier (!) zweistelligen Siegen der Borussen, die zuvor Schalke 04 (11:0 am 7.1. 1967) und Borussia Neunkirchen (10:0 am 4. 11. 1967) deklassieren. Am 11. 10. 1984 gegen Eintracht Braunschweig (10:0) sorgen sie auch für den bis Dezember 2019 letzten zweistelligen Sieg der Bundesliga.

Noch einen Rekord hält die Paarung Gladbach vs. Dortmund: In der Aufstiegssaison 1965/66 gibt es fünf Elfmeter in einem Spiel. Dortmund gewinnt mit 5:4 am Bökelberg, auch weil Gladbachs Egon Milder am 11. September 1965 den dritten Gladbacher Elfmeter und den letzten der Partie in der 78. Minute an die Latte schießt. Er besiegelt die erste Bundesliganiederlage der Borussia.
Weltmeister 1954: Gladbach hat vor der Bundesliga bereits kurzzeitig einen Weltmeister in seinen Reihen. Weltmeister-Torwart Toni Turek lässt seine Karriere in den Jahren 1956 und 1957 in Gladbach ausklingen und spielt noch viermal für den Klub.
Negativserie gegen Bayer Leverkusen: Gegen den Nachbarn von der rechten Rhein-Seite, Bayer Leverkusen, hat BMG eine ganz besondere Negativserie. Man bleibt von 1989 bis 2004 in 22 Bundesligaspielen sieglos, darunter sind 16 Unentschieden. Damit hält Borussia den Angstgegnerrekord der Bundesliga, denn eine derartige Negativserie gibt es - Stand Dezember 2019 - bei keiner anderen Paarung.
Am häufigsten zweistellig: Borussia Mönchengladbach ist der Verein der Bundesliga, der – Stand Dezember 2019 - am häufigsten zweistellig gewonnen hat. Sechsmal gewinnen Teams ein Pflichtspiel in der Bundesliga und schießen dabei zehn oder mehr Tore. Viermal schafft das die Borussia vom Niederrhein.
Special Moments
Der Don und die Fohlen-Elf. Wie ein Kölner zum Chef der Bauern wird
Der 1. FC Köln war mein erstes zu Hause, meine erste Station als (Spieler)-Trainer, der Rheydter SV war eine Zwischenstation, Viktoria Köln ein Rückschritt. Borussia Mönchengladbach war mein großes Glück - die „Buuren“ (Bauern) vom Niederrhein.
Mit großen Ambitionen bin ich in Köln gestartet, als Spielertrainer und Gründungsmitglied sollte ich den gerade gegründeten Verein zu einem deutschen Spitzenverein machen. Ich glaube, ich hätte es geschafft, wenn man mich gelassen hätte. Aber „der Boss“ hat mich nicht in Ruhe arbeiten lassen, jedenfalls nicht so wie ich es gewollt habe. Ich wollte junge Spieler aus der Region um mich herum scharen und aus diesen ein Team formen, das meine Idee von Fußball umsetzt. Franz Kremer wollte mit Hilfe der lokalen Wirtschaft etablierte Stars verpflichten. Und tat das auch, in der Regel ohne mich vorher zu fragen. Doch »Tschik! Decken! Arschloch!« (Zlatko Cajkovski) und ich – das passte gar nicht. Und sich bei mir beschweren, wenn die von ihm verpflichteten Spieler sich wieder mal als Fehleinkauf erwiesen – das ging mir irgendwann gegen den Strich. Als der Erfolg ausblieb und wir regelmäßig die Endrunde der Oberliga verpassten, musste ich gehen. Zuerst nach Rheydt, dann nach einem zweiten Versuch beim „effzeh“ zu Viktoria Köln auf die andere Rheinseite und als auch das nicht funktionierte nach Mönchengladbach. Große Erfolge als Vereinstrainer hatte ich bis dahin nicht.
Der neue Präsident, Helmut Beyer, sein Vize Helmut Grashoff und Alfred Gerhards garantierten mir dennoch volle Handlungsfreiheit und Unterstützung für mein „Kindergartenkonzept“ und die Idee, auf lokale und regionale Talente zu setzen. Sie hatten ja auch gar keine andere Chance, das Geld war knapp, ein Star wie Albert Brülls es war, wurde verkauft. Der Verein hatte aber bereits ein sehr gutes A-Jugend Team und einige Talente im Blick, die er verpflichten wollte. Also wechselte ich, Franz Kremer ahnte in dem Moment nicht, was das für ihn und seinen 1. FC Köln bedeuten sollte.
Überhaupt: Franz Kremer baute mich auf, Franz Kremer ließ mich fallen. Wie Caesar und Pompeius. Wie Napoleon und Wellington. Wie Strauss und Wehner. Genau so sehe ich uns. Franz Kremer und mich. Wir übertrugen unseren privaten Konflikt auf unsere Vereine.
In den 50-er Jahren war die Rivalität zwischen uns Nachbarn in Nordrhein-Westfalen noch eine friedliche Co-Existenz. Das Interesse aneinander begrenzt, aber von Abneigung keine Spur. Borussia war damals sogar die erste Mannschaft, die im neuen Geißbockheim des 1. FC Köln zu Gast war. Für den „effzeh“ kam der größte rheinische Rivale aus Dellbrück, da sie gegen Gladbach in der Oberliga West sowieso immer die Nase vorne hatten.
Ich hatte während des Krieges gedient und wurde bei Danzig in Gefangenschaft genommen. Über diese Zeit spreche ich nicht gerne, auch wenn sie wohl die prägendste meines Lebens war. Über Wasser hielt mich stets meine Liebe zum Fußball. Nach der Rückkehr in die Heimat 1945 überredete mich ein gewisser Franz Kremer für meinen alten Verein in Köln-Klettenberg aufzulaufen. Er war damals der neue Vorsitzende und ich bereit, den FC in seiner Gründungszeit zu unterstützen. Bis heute gelte ich als wichtigstes Gründungsmitglied, ohne damals überhaupt gewusst zu haben, was ich tat. Für mich als Dorfkind war es eine große Ehre, überhaupt das Trikot tragen zu dürfen.
In der Mannschaft spielten mindestens fünf Spieler besser als ich, aber ich besaß offenbar mehr Durchsetzungsvermögen. Ich machte mir mehr Gedanken um Fußball. Ich entwickelte eigene Ideen.
Was mir an spielerischer Qualität fehlte, machte ich durch theoretisches und fachliches Wissen wett. Ich lebte und liebte den Fußball, obwohl es mir sichtbar an Talent fehlte. Ich erkannte damals schon früh meine begrenzte Spielerzeit, doch ein Leben ohne Fußball war für mich nicht mehr vorstellbar. So begann ich im Juni 1947 eine Ausbildung zum Fußballtrainer an der Sporthochschule Köln und schloss als Klassenbester ab. Mein Fleiß schlug Talent – ein weiteres Mal.

Als Kölner Spielertrainer feierte ich 1949 meinen ersten großen Erfolg mit dem Aufstieg in die Oberliga West. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Doch leider waren meine Tage am Rhein gezählt. Ich konnte die Erwartungen des Vorstands, allen voran von Franz Kremer, nicht mehr erfüllen. Als wir 1952 den Einzug in das Deutsche Meisterschaftsfinale verpassten, war meine Zeit abgelaufen. Ich wurde entlassen und verlor in diesem Moment nicht nur meinen Arbeitgeber, sondern auch meine Familie. Es war einer der schwersten Tage meines Lebens.
Halt fand ich damals bei meinem ehemaligen Sporthochschul-Dozenten und Lehrmeister, Bundestrainer Sepp Herberger. Ich wurde sein Assistenztrainer, konnte mich aber schlecht fügen und beendete die Zusammenarbeit nach nur einem Jahr. Was dann geschah, kam unerwartet: Köln wollte mich zurück. Ich erinnere mich, wie zweigeteilt ich war, als ich den Vertrag unterschrieb. An meinen Vertrauensmangel gegenüber Franz Kremer hatte sich nämlich rein nichts geändert. Wir wagten den Versuch, doch aus anfänglichen Unstimmigkeiten ergab sich schnell ein handfester Konflikt.
Bald konnten wir uns nicht mal mehr im selben Raum aufhalten, ohne dass ein Streit eskalierte. Eine Zusammenarbeit war ausgeschlossen. Ich wechselte auf die „schäl Sick“, die andere Rheinseite, zum SC Viktoria 04. Ich genoss das Vertrauen und die Freiheiten, die der Oberligaverein mir entgegenbrachte, während meine Abneigung gegenüber Kremer und seiner Bagage täglich wuchs. Doch der große Erfolg bleibt aus.
Meine neue Liebe fand ich am 27. April 1964 im nur 45 Kilometer entfernten Mönchengladbach. Der Verein war gerade von Trainer Fritz Langner verlassen worden, der Schalke 04 in der Bundesliga trainieren wollte. Sepp Herberger hatte nach meinem Vertragsende eine erneute Empfehlung ausgesprochen. So kam ich an den Niederrhein. Im Gepäck: Viele Ideen und eine große Portion Groll gegen Köln. Obwohl ich damals sogar noch in Köln wohnte, änderte sich meine Meinung gegenüber dem FC nicht. Der Stachel, den Kremer mir eingetrieben hatte, saß zu tief. Der Gladbacher Vorstand hielt sein Wort und ich lieferte den versprochenen Erfolg. Günter Netzer war bereits verpflichtet, als ich kam, Jupp Heynckes und Bernd Rupp kamen zur Saison 1964/65, Berti Vogts als wir den Aufstieg in die Bundesliga bereits geschafft hatten. Der Rest ist bekannt. Wir wurden die Nummer 1 am Rhein und in der Saison 1969/70 zum ersten Mal Deutscher Meister.
Weise Worte
Zitate für die Ewigkeit
„Wir stehen jetzt ganz oben und werden uns dort auch festkrallen. Sollen die anderen doch mal versuchen, diese Weltklasse-Mannschaft von dort wieder wegzuholen.“
Hans Meyer„Abseits ist, wenn das lange Arschloch den Ball zu spät abspielt“
Hennes Weisweiler erklärt die Abseitsregel. „Dat lange Arschloch“ ist natürlich… Günter Netzer„Ich habe es mir sehr genau überlegt und dann spontan zugesagt“
Toni Polster über seinen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach„Danke für die Glückwünsche beim Unternehmen Aufstieg. Sie werden sich noch schwarz ärgern, wenn wir es wirklich schaffen, dann guckt nämlich keine Sau mehr Ihre Sendung“
Hans Meyer vor der Gladbacher Bundesliga-Rückkehr 2001 zu einem DSF-Reporter„Wenn Ihr wieder mal einen Trainer für 5 Spiele braucht, dann ruf mich bitte an“
Hans Meyer nach dem letzten Spieltag 2008/09 zu Bayern-Legende Franz Beckenbauer. Die Münchner hatten den Ex-Gladbacher Jupp Heynckes für 5 Spiele als Interimstrainer verpflichtet…„Bernhard Langer hat mal gesagt, Leistungssport spielt sich zwischen den Ohren ab“
Gladbach-Trainer Rainer Bonhof zur Nervenschwäche seines Teams„Wenn Ihr so weiterspielt, werdet Ihr am Ende Meister“
Schalkes Olaf Thon nach einem 0:3 in Gladbach am 1. Spieltag der Saison 1988/99. Sie wurden es nicht: Die Borussia stieg erstmals aus der Bundesliga ab…„Torwart Jörg Stiel hat gesagt, ich wäre sein bester Trainer gewesen. Später habe ich erfahren, dass er nur 2 hatte“
Hans Meyer