Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt
Die unbeliebtesten Figuren der Gladbach-Geschichte: Peter Pander und das Peter-Prinzip, Lucien Favre der abtrünnige Trainer, und Lothar Matthäus — der Mann, den die Fans nie vergeben haben.

Diese Typen sind unbeliebt

Peter Pander

Im April 2005 verpflichtet Borussia Mönchengladbach Peter Pander als Nachfolger des zurückgetretenen Sportchefs Christian Hochstätter. Pander sorgt für den bis dahin teuersten Transfer in der Mönchengladbacher Vereinsgeschichte, als er den argentinischen Fußball-Flop Federico Insúa für geschätzte 4,5 Millionen Euro verpflichtet. So kennt er es aus seiner Zeit als Manager beim VfL Wolfsburg. Die einst für ihre Talentpflege berühmte Borussia verkommt in kurzer Zeit zum KaDeWe (Kaufhaus des Westens). Trotz Einkäufe neuer Spieler und diversen Trainerwechseln bleibt der erhoffte Erfolg aus. Am 8. März 2007 trennt sich Borussia Mönchengladbach von Pander. Doch da ist es bereits zu spät. Die Borussia gewinnt in den letzten 15 Spielen der Rückrunde der Spielzeit 2006/07 nur zwei Mal und schafft vier Unentschieden. Das ist es. Der Verein ist finanziell am Ende und zum zweiten Mal in der zweiten Liga angekommen. Die Wirkmechanismen des Peter-Prinzips gelten auch im Fußball. Infografik by Ligalive

Dick Advocaat — Der teure Fehlgriff

Dick Advocaat

Zwischen November 2004 und April 2005 ist der Niederländer für die Geschicke in Gladbach verantwortlich. Als Nachfolger von Holger Fach soll Advocaat Ruhe in die Mannschaft bringen, doch das Gegenteil ist der Fall: Zwar holt das Kaufhaus des Westens für 3,5 Millionen Euro in der Winterpause sieben neue Spieler zu Borussia, doch Advocaat schafft es nicht, das Potential der Mannschaft abzurufen. In 18 Spielen erringt er schwache 18 Punkte, am Ende bleiben die Fohlen sogar fünfmal in Folge sieglos. Der Abstand zu den Abstiegsrängen, allen voran zum VfL Bochum, beträgt zwischenzeitlich acht Zähler und schrumpft unter Advocaat auf einen lausigen Punkt zusammen. Nachdem Fans im Stadion immer wieder lautstark nach Gladbacher Amateur-Coach Horst Köppel verlangen und es sogar eine Anschlagsdrohung gegen den erfolglosen Cheftrainer gibt, zieht dieser die Konsequenz. Advocaat tritt mit sofortiger Wirkung zurück und verzichtet aufgrund der schlechten Bilanz sogar auf seine Abfindung.

Roberto Boninsegna — Der Schauspielmeister

Roberto Boninsegna

Roberto Boninsegna sabotiert vor 48 Jahren auf höchst dramatische Art und Weise Borussias bestes Europacup-Spiel aller Zeiten. Es ist die 29. Minute im Spiel gegen Inter Mailand, Gladbach liegt mit 2:1 in Führung. Ein Büchsenwurf aus der Gladbacher Fanecke trifft den italienischen Theatraliker, der umfällt und sich vom Feld tragen lässt. Schiedsrichter Dorpmans sagt später in einem Interview mit dem Gladbacher Fanportal torfabrik.de, dass er zwar keine Beweise habe, man aber bei „den Italienern seinerzeit fast generell davon ausgehen (konnte), dass es sich bei der Aktion um Schauspielerei handelte". Mehr zum Spiel in der Sektion OMG. Roberto Boninsegna freut sich am 1. Dezember 1971 über das Weiterkommen mit Inter Mailand gegen Borussia Mönchengladbach (0:0) in Berlin. Imago Images/ Ferdi Hartung Leonardus van der Kroft – Skandal in Madrid: „Der Schiedsrichter hat uns den Sieg geraubt“, fasst Jupp Heynckes die Ereignisse des skandalösen Abends zusammen. Im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister 1976 kommt es zum Duell mit Real Madrid, das aufgrund des aktiven Eingreifens des niederländischen Schiedsrichters van der Kroft eine ungeahnte Wendung nimmt. Der Holländer benachteiligt die Gladbacher und erkennt zwei reguläre Tore nicht an. Gladbach scheidet aus. Mehr zum Spiel in der Sektion OMG.

Van der Kroft — Skandal in Madrid

Leonardus van der Kroft

„Der Schiedsrichter hat uns den Sieg geraubt“, fasst Jupp Heynckes die Ereignisse des skandalösen Abends zusammen. Im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister 1976 kommt es zum Duell mit Real Madrid, das aufgrund des aktiven Eingreifens des niederländischen Schiedsrichters van der Kroft eine ungeahnte Wendung nimmt. Der Holländer benachteiligt die Gladbacher und erkennt zwei reguläre Tore nicht an. Gladbach scheidet aus. Mehr zum Spiel in der Sektion OMG.

Heiko Herrlich — Wanderer zwischen den Borussen

Heiko Herrlich

Sein Wechsel im Sommer 1995 zur westfälischen Borussia macht den Bundesliga-Torschützenkönig zum Staatsfeind Nummer 1 am Bökelberg. Kurz vor dem Wechsel hat er Gladbach noch so etwas wie „ewige Treue“ geschworen, danach aber erzwingt er unter Streikandrohung seinen Wechsel. Er beruft sich auf eine Freigabezusage von Manager Rolf Rüssmann, an die der sich partout nicht erinnert.

Lothar Matthäus

Keinem anderen Spieler nehmen sie in Gladbach den Wechsel zum FC Bayern München so übel wie Lothar Matthäus. Dass er in seinem letzten Spiel für die Mönchengladbacher im verlorenen Pokalfinale am 31. Mai 1984 ausgerechnet gegen die Bayern einen Elfmeter verschießt, verleiht dem Ganzen eine besondere Pikanterie. Mittlerweile ist der Ärger etwas verklungen. DFB – Der Deutsche Fußball Bund: Gladbach und der Deutsche Fußball Bund, das ist keine Liebesbeziehung. Das gilt spätestens seit 1971, als das Pfostenbruch-Spiel gegen Werder Bremen mit 0:2 gewertet wird. Aber dabei bleibt es nicht: Die Nichtberücksichtigung der Stadt bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Düsseldorf, Gelsenkirchen (weniger Einwohner als Mönchengladbach) und Dortmund als Austragungsorte von Spielen für die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 wird von den Fans der Gladbacher als entscheidend dafür gewertet, dass der Verein seit dem Ende der 70-er Jahre mit den ganz Großen im deutschen Fußball nicht mehr mithalten kann. Warum? Alle Austragungsorte und damit die lokalen Bundesligisten erhalten neue Stadien mit ungefähr dem Doppelten an Zuschauer-Fassungsvermögen, mit denen sich deutlich mehr Geld verdienen lässt als mit den alten Stadien. Als die Stadt weder für die WM im Jahr 2006 berücksichtigt und nicht für die EM 2024 vorgesehen wird, ist endgültig Schluss mit Lustig für die Gladbacher Fans. Länderspiele der deutschen Nationalelf im Borussia Park haben seit den Entscheidungen eine besondere Note.

Max Eberl — Vom Heiligen zum Feindbild

Max Eberl
Sportdirektor 2008–2022

Vom Heiligen zum Feindbild: 14 Jahre lang ist Eberl der Architekt des Aufschwungs. Er holt Favre, baut das Team vom Fast-Absteiger zum CL-Teilnehmer auf. Am 28. Januar 2022 tritt er unter Tränen zurück — Burnout, menschliche Grenzen, „Ich will einfach nur Max Eberl sein.“ Ganz Deutschland zeigt Mitgefühl. Dann taucht er wenige Monate später bei RB Leipzig auf. Für die Kurve ist das unverzeihlich. Was er hinterlässt, macht es noch schlimmer: einen Kader mit überhöhten Gehältern und auslaufenden Verträgen, die Wurzel der Finanzmisere der kommenden Jahre.

Marco Rose — Der Verräter am Projekt

Marco Rose
Trainer 2019–2021

Der Verräter am Projekt: Rose kommt 2019 von Red Bull Salzburg und formt eine Mannschaft, die zum ersten Mal seit den 1970er Jahren wieder Champions-League-Niveau erreicht. Dann verkündet er im Februar 2021 seinen Wechsel zum BVB — mitten im CL-Höhenflug, mitten in der Saison. Die Mannschaft zerbricht. Die Rückrunde wird zum Desaster. Dass Rose beim BVB selbst nach einer Saison gefeuert wird, tröstet am Niederrhein nur bedingt. Der Schaden ist längst angerichtet.

Marcus Thuram — Das verschenkte Juwel

Marcus Thuram
2019–2023

Das verschenkte Juwel: Sportlich ist Thuram überragend — Tore, Vorlagen, Explosivität. Sein Marktwert steigt auf rund 40 Millionen Euro. Dann läuft sein Vertrag aus. Im Sommer 2023 wechselt er ablösefrei zu Inter Mailand und wird dort sofort zum Serie-A-Meister 2024. Gladbach kassiert: null Euro. Der bitterste Transfer einer ganzen Ära, auch wenn der Vorwurf primär das Management trifft, das den Vertrag nicht rechtzeitig verlängerte oder verkaufte. Zusammen mit Ramy Bensebaini, der ebenfalls ablösefrei zum BVB geht (Peak ca. 25 Millionen Euro), vernichtet der Sommer 2023 rund 65 Millionen Euro an Transferwert.

Peter-Prinzip Infografik Fußball-Management Gladbach
Die Wirkmechanismen des Peter-Prinzips gelten auch im Fußball. Infografik: Ligalive
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Warum nahmen Gladbach-Fans Lothar Matthaeus den Wechsel uebel?

Keinem anderen Spieler nehmen die Gladbacher den Wechsel zum FC Bayern so uebel wie Lothar Matthaeus. Der Wechsel 1984 gilt als Verrat am Verein.

Was war das Cola-Dosen-Skandal bei Inter Mailand?

Im Europapokal-Spiel 1971 gegen Inter Mailand wurde Roberto Boninsegna angeblich von einer Cola-Dose getroffen. Inter nutzte den Vorfall, um eine Neuansetzung zu erwirken. Gladbach hatte das Hinspiel 7:1 gewonnen.

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