Es gibt nicht viele Spieler, die sich trauen die Autorität ihres Trainers zu untergraben. Die Wenigsten würden es wagen, sich selbst einzuwechseln. Günter Netzer schon.\n\nUnter den Augen des Disziplinfanatikers Hennes Weisweiler wagt „Jünter“ den Aufstand.
Am 23. Juni 1973, im DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Köln, seiner letzten Partie für die Borussia, entscheidet Netzer, der von Weisweiler für das Spiel nicht berücksichtigt worden ist, dass seine Zeit auf der Bank nun abgesessen sei. „Ich habe ganz kurz Herrn Weisweiler informiert, dass ich jetzt spielen werde.\n\nUnd dann begann die Verlängerung", erinnert sich Netzer später. Drei Minuten nach Betreten des Platzes schießt Netzer den entscheidenden Treffer zum 2:1 und macht Gladbach zum Pokalsieger.
Wenn Superstar Netzer, durch sein langes blondes Haar und seine Vorliebe für schnelle Autos nicht davor bereits schon Kultstatus erreicht hätte, spätestens mit seiner legendären Selbsteinwechselung hätte er es getan. Die Aktion macht ihn für Gladbach-Fans unsterblich. In 297 Punktspielen erzielt der Spielmacher, der die mythische Nummer zehn wie kein zweiter Deutscher verkörpert, 108 Treffer, wird zweimal Deutscher Meister (1970, 1971) und Fußballer des Jahres (1972, 1973).
Als erster Deutscher wechselt er 1973 zu Real Madrid.